Die Naturpools von Santo Stefano: das bestgehütete Geheimnis des Maddalena-Archipels (und wie man sie findet)
Wusstest du, dass es im Maddalena-Archipel einen Ort gibt, an dem das Wasser so ruhig und klar ist, dass es wie ein Schwimmbecken wirkt, umgeben von rosa Granitfelsen, die vom Wasser wie Skulpturen geformt wurden, und an dem du völlig entspannt im Wasser treiben kannst, ohne dass dich auch nur eine Welle bewegt? Sie heißen “Die natürlichen Schwimmbecken von Santo Stefano”, liegen auf der Insel Santo Stefano und gehören zu den bestgehüteten Geheimnissen des gesamten Nationalparks.
In diesem Leitfaden erfährst du:
-
Was genau sind Naturpools und wie sind sie entstanden?
-
Wo befinden sie sich und warum sind sie so schwer zu finden (und zu erreichen)?
-
Anreise: nur auf dem Seeweg, aber mit ein paar Vorkehrungen
-
Weil sie besser sind als ein künstlicher Pool (und sogar als viele Strände)
-
Was man mitbringen sollte und welche Regeln zu beachten sind, um dieses Juwel zu bewahren
Lesezeit: 6 Minuten. Am Ende weißt du: Sind die Naturbäder von Santo Stefano das richtige Reiseziel für dich und wie du deinen Besuch planen solltest (denn sie sind nicht für jeden geeignet).
Was sind die Naturpools von Santo Stefano? Ein Meisterwerk der Natur
Die natürlichen Becken von Santo Stefano sind kein Strand. Sie sind keine Bucht. Sie sind etwas anderes, etwas Selteneres und Intimeres. Es handelt sich um eine Reihe kleiner Süß- und Brackwasserbecken, die durch jahrtausendelange Erosion durch Wind und Meer in den Granit geformt wurden und an der Nordostküste der Insel Santo Stefano liegen.
Stell dir Folgendes vor: eine Plattform aus rosafarbenem Granit, die ins Meer ragt und so glatt ist, als wäre sie von einem Handwerker geschliffen worden. Auf dieser Plattform dringt das Meerwasser, angetrieben von Wellen und Gezeiten, in natürliche Spalten und Risse ein. Mit der Zeit weiten sich diese Spalten aus, werden tiefer und verwandeln sich in natürliche Becken. Bei Flut fließt das Wasser hinein und füllt sie. Bei Ebbe bleiben sie dank der Beschaffenheit der Felsen, die das Wasser wie ein natürlicher Damm zurückhalten, gefüllt.
Das Ergebnis sind offene, vom Meer gespeiste Becken, die jedoch vor den Wellen geschützt sind. Das Wasser ist im Sommer sehr warm (es erwärmt sich in der Sonne zwischen den Felsen) und unglaublich klar. Es gibt keine Strömungen, keine Wellen, keine Gefahren. Man kann in einem dieser Becken sitzen, das Wasser reicht einem bis zur Brust, man blickt auf das offene Meer, das nur wenige Meter entfernt ist, und fühlt sich wie in einem natürlichen Spa.
Ein Detail, das man sonst nirgendwo findet: Einige dieser Becken enthalten Süßwasser. Ja, du hast richtig gehört. Auf der Insel Santo Stefano gibt es kleine Süßwasserquellen, die genau an diesen Spalten im Granit zutage treten. Wenn es regnet, sammelt sich das Regenwasser in denselben Becken. Das Ergebnis ist eine einzigartige Mischung aus Süß- und Salzwasser, deren Temperatur und Dichte sich vom umgebenden Meer unterscheiden. Darin zu schweben ist ein seltsames und wunderbares Erlebnis: Man fühlt sich leichter, wie im Toten Meer, aber ohne das Brennen in den Augen.
Wie viele sind es? Schwer zu sagen. Die wichtigsten sind drei, die größten und am besten zugänglichen. Aber es gibt mindestens ein Dutzend kleinerer Nebenbecken, von denen einige nur wenige Zentimeter tief sind, andere über einen Meter. Jedes Jahr, mit den Winterstürmen, verändert sich ihre Form leicht. Manches Becken füllt sich mit Sand, andere werden tiefer. Die natürlichen Becken sind lebendig, sie verändern sich, sie wandeln sich.
Wo befinden sich die Naturbäder? Der genaue Standort (und warum dir niemand diesen verraten wird)
Das ist der schwierigste Teil. Die Naturbäder von Santo Stefano sind nicht ausgeschildert. Sie sind auf den touristischen Karten nicht verzeichnet. Es gibt kein Hinweisschild. Und wenn man die Kapitäne der Bootstouren danach fragt, antworten sie mit einem Lächeln und sagen: “Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.”.
Warum? Weil es ein äußerst empfindlicher Ort ist. Es gibt keinen Anlegeplatz, keinen Strand, keinen Sand. Es gibt nur Granitfelsen und kleine Wasserbecken. Wenn täglich hundert Menschen hierherkämen, wären die Becken innerhalb einer Woche zerstört. Die Einheimischen schützen sie durch ihre Zurückhaltung.
Nun, hier ist, was ich dir sagen kann.
Die Naturpools liegen an der Nordostküste der Insel Santo Stefano, etwa einen halben Kilometer östlich von Cala Granara in Richtung des ehemaligen NATO-Stützpunkts. Sie befinden sich genau auf der gegenüberliegenden Seite des Militärhafens. Es gibt keinen Weg vom Strand aus: Der einzige Weg, sie zu erreichen, führt über das Meer, mit einem kleinen Schlauchboot oder einem Kajak, und dann über die Felsen hinauf.
Die ungefähren Koordinaten lauten: 41 Grad und 12 Minuten nördlicher Breite, 9 Grad und 25 Minuten östlicher Länge. Aber mach dir keine Illusionen: Ohne ein Marine-GPS und ohne jemanden, der dich schon einmal dorthin geführt hat, kann man leicht daran vorbeifahren, ohne sie zu sehen. Vom Boot aus sehen die Becken wie einfache dunkle Schatten auf dem Felsen aus. Man erkennt sie erst, wenn man schon direkt darüber ist oder wenn jemand darauf hinweist.
Ein Geheimtipp: Anstatt selbst zu suchen, frag einen einheimischen Fischer. Nicht die Verleiher von Schlauchbooten, nicht die Reiseleiter. Einen Fischer. Die, die im Morgengrauen hinausfahren und mittags zurückkommen. Wenn du einen guten Eindruck hinterlässt (und ihm vielleicht einen Kaffee anbietest), gibt er dir vielleicht einen Tipp. Oder, noch besser, frag ihn, ob er dich dorthin mitnimmt. Manche tun das, unter der Hand. Es kostet etwas, aber es lohnt sich.
Wie gelangt man zu den natürlichen Schwimmbecken? Nur auf dem Seeweg und nur für erfahrene Schwimmer
Der Weg zu den Naturpools ist nicht mit dem Weg nach Cala Granara zu vergleichen. Er ist schwieriger, technisch anspruchsvoller und riskanter. Er ist nicht für jedermann geeignet.
Mit organisierter Bootstour: Keine organisierte Tour hält an den Naturpools. Es gibt keinen Anlegeplatz, keinen Ort, an dem man bequem anlegen könnte, und die Aufenthaltszeit wäre zu kurz, um den Umweg zu rechtfertigen. Wenn du also die Naturpools sehen möchtest, vergiss die Touren. Du musst auf eigene Faust hinfahren.
Mit einem gemieteten Schlauchboot (für Fortgeschrittene): Du kannst mit einem Schlauchboot anlegen, musst aber wissen, was du tust. Es gibt keine Boje. Es gibt keinen Steg. Du musst an Felsen festmachen, mit langen Leinen und einem Stauraum, und dabei darauf achten, den Rumpf nicht zu beschädigen. Der Meeresboden ist felsig und uneben. Das ist kein Ort für Anfänger.
So geht’s richtig: Näher dich langsam und mit sehr geringer Motorleistung bis auf wenige Meter an den Felsen heran. Wirf den Anker am Bug und am Heck aus, damit das Schlauchboot parallel zur Küste bleibt. Zieh das Schlauchboot nicht an den Felsen: Die Brandung schlägt es gegen den Granit und zerstört es. Lass es im Wasser, festgemacht. Dann steig ins Wasser (pass auf die hervorstehenden Felsen auf) und schwimm ein paar Meter bis zu den Becken.
Mit dem Kajak: Das ist das beste Fortbewegungsmittel. Ein Kajak ist klein, leicht und lässt sich leicht an den Felsen heranmanövrieren. Man kann es an einer natürlichen Felsspalte festbinden oder einfach ein paar Zentimeter auf eine flache Granitplattform ziehen. Von dort aus ist man schon mitten in den Becken. Mit dem Kajak kannst du auch jedes einzelne Becken erkunden und von einem zum anderen gleiten, ohne aus dem Wasser zu steigen.
Achten Sie auf Gezeiten und Wind. Die natürlichen Schwimmbecken sind nur bei ruhiger See (Wellenhöhe unter einem halben Meter) und schwachem Wind (weniger als 10 Knoten) zugänglich. Der Maestrale macht die Wellen selbst bei mäßiger Stärke für das Anlegen gefährlich. Die Brandung schleudert dich gegen die Felsen. Geh kein Risiko ein. Wenn die See nicht ruhig ist, verschiebe den Ausflug.
Und die Gezeiten? Der Tidenhub an der Straße von Bonifacio ist beträchtlich (bis zu 50–60 Zentimeter Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser). Die beste Zeit für einen Besuch der natürlichen Becken ist bei Hoch- oder Mitteltide. Bei Ebbe leeren sich die Becken teilweise und werden flach. Bei Flut hingegen sind sie voll und überlaufen. Schau dir vor deiner Abreise die Gezeitentabellen an.
Warum sind Naturbäder besser als ein künstliches Schwimmbad? (und auch besser als viele Strände)
Wenn du sie noch nie gesehen hast, denkst du vielleicht: “Was ist denn an diesen Wasserlachen im Fels so besonders?” Die Antwort verstehst du erst, wenn du mittendrin bist.
Das Wasser ist warm. Der Granit erwärmt sich in der Sonne. Das Wasser in den Pools erreicht vor allem am Nachmittag Temperaturen von 25 bis 28 Grad. Es ist wärmer als das offene Meer. Man steigt hinein und entspannt sich sofort. Es gibt keinen Kälteschock, wie man ihn beim Sprung ins Meer erlebt.
Es gibt keine Wellen. Nichts. Nicht einmal eine kleine Welle. Die Becken werden von den sie umgebenden Felsen geschützt. Das Wasser ist glatt wie Glas. Du kannst ganz entspannt im Wasser treiben, in den Himmel schauen und nur das Rauschen der Wellen hören, die nur wenige Meter von dir entfernt brechen, dich aber nicht berühren.
Das Wasser ist kristallklar. Es gibt keinen aufgewirbelten Sand, kein Plankton, keine Trübung. Das Wasser ist so klar, dass man jedes noch so kleine Detail des Granits am Grund erkennen kann. Die rosafarbenen Adern, die kleinen, festsitzenden Muscheln, sogar die winzigen Krabben, die sich in den Spalten verstecken.
Datenschutz. Weil es schwer zu finden ist, weil es nicht ausgeschildert ist und weil die Touren nicht dorthin führen, trifft man an den Naturpools nur wenige Menschen. Oft ist gar niemand da. Wenn du Glück hast, bist du ganz allein. Du hast ein ganzes Stückchen Paradies ganz für dich allein.
Die sinnliche Erfahrung. Es ist schwer in Worte zu fassen. Du sitzt in einem Becken aus rosa Granit, das lauwarme Wasser reicht dir bis zur Brust, vor dir verliert sich das blaue Meer am Horizont, hinter dir duftet die mediterrane Macchia nach Myrte und Mastixstrauch. Es ist niemand da. Nur du, der Granit und das Wasser. Es ist eine der meditativsten Erfahrungen, die man im Archipel von La Maddalena machen kann.
Ein Detail, mit dem man nicht rechnet: Einige Becken sind durch kleine natürliche Kanäle miteinander verbunden. Wenn man sich ins Wasser legt, kann man sich von einem Becken zum nächsten hinüberkriechen, ohne das Wasser zu verlassen. Es ist, als würde man durch ein Wasserlabyrinth schwimmen.
Welche weiteren natürlichen Schwimmbecken gibt es im Archipel von La Maddalena? (Und warum ist Santo Stefano das beste?)
Die Naturpools gibt es nicht nur auf Santo Stefano. Im gesamten Archipel gibt es weitere ähnliche Formationen. Die von Santo Stefano gelten jedoch als die schönsten und am besten zugänglichen.
Auf der Insel von Spargi: In der Nähe von Cala Corsara gibt es kleine natürliche Becken, aber sie sind kleiner und werden bei Flut oft überflutet. Außerdem ist Spargi sehr gut besucht, sodass es schwierig ist, sie leer vorzufinden.
Auf der Insel Santa Maria: In der Nähe von Cala Santa Maria gibt es einige natürliche Becken im Felsen. Das Wasser ist dort jedoch kälter (weniger Sonneneinstrahlung) und der Boden rutschiger.
Auf der Maddalena (Hauptinsel): In Punta Tegge gibt es einige sehr bekannte natürliche Wasserbecken, die jedoch schon vor Jahren von Touristen “entdeckt” wurden. Heute, in der Hochsaison, sind sie überfüllt. An einigen Stellen wurden sie zudem von Besuchern beschädigt, die mit Spikes-Schuhen darauf gelaufen sind.
Warum ist Santo Stefano das Beste? Weil sie am besten geschützt ist. Der schwierige Zugang und die fehlende Beschilderung sorgen dafür, dass nur die Entschlossensten hierher gelangen. Außerdem ist der Granit von Santo Stefano besonders glatt und geformt, mit fast abstrakten Formen. Und das Vorhandensein von Süßwasser macht das Erlebnis einzigartig.
Regeln für den Besuch der Naturbäder (ohne sie zu zerstören)
Die natürlichen Badebecken sind äußerst empfindlich. Mehr als ein Strand, mehr als eine Bucht. Der vom Wasser geglättete Granit ist anfällig für Abnutzung. Ein ausrutschender Fuß, ein Schuh mit Spikes, ein eingesteckter Sonnenschirm, eine vergessene Flasche: Alles kann jahrzehntelange natürliche Entstehung zerstören.
Hier sind die Regeln, die unbedingt einzuhalten sind.
Tragen Sie keine Schuhe mit Spikes oder harten Sohlen. Klettere barfuß oder mit Felsenkletterschuhen mit weicher Sohle (aus Neopren) auf die Felsen. Harte Sohlen zerkratzen den Granit und hinterlassen bleibende Spuren.
Bitte keine Sonnenschirme, Stühle oder große Badetücher mitbringen. Es gibt keinen Platz. Es gibt keinen Sand. Die Becken sind von kahlen Felsen umgeben. Ein Handtuch kann man ausbreiten, aber nur auf einem flachen Felsen. Sonst nichts.
Verwenden Sie vor dem Betreten keine chemischen Sonnenschutzmittel. Sonnencremes verschmutzen das Wasser. Die Schwimmbecken sind klein und geschlossen: Ein Tropfen Sonnencreme verteilt sich sofort. Verwende biologisch abbaubare Sonnencremes oder, noch besser, geh ohne Sonnenschutz ins Wasser und creme dich danach wieder ein.
Bitte nicht in die Schwimmbecken pinkeln. Das klingt wie eine banale Regel, aber viele tun es trotzdem. Das Wasser wird nicht wie auf offener See erneuert. Es steht still. Ein einziger Urin verschmutzt es für Stunden.
Bitte keine Glasflaschen mitbringen. Wenn sie zerbrechen, bleiben die Scherben für immer in den Schwimmbecken zurück. Verwende Trinkflaschen aus Aluminium oder Kunststoff.
Bitte keine Kieselsteine oder Muscheln wegnehmen. Sie sind Teil des Ökosystems. Selbst eine kleine Muschel, die verschoben wird, verändert die Strömung des Wassers.
Bitte nicht betreten, wenn der Pool bereits belegt ist. Die Pools sind klein. Zwei oder drei Personen sind schon viel. Wenn schon jemand da ist, warte oder komm später wieder. Es ist kein öffentliches Schwimmbad.
Nimm alles mit. Auch Zigarettenkippen. Auch Kirschkerne. Auch Brötchenpapier. Kein Müll.
Diese Regeln sind keine Option. Sie sind der einzige Grund, warum die Naturbäder noch existieren. Wenn sich alle daran halten würden, würden sie für immer bestehen bleiben. Wenn jemand gegen sie verstößt, werden sie in wenigen Jahren verschwinden.
Wann sollte man die Naturbäder besuchen? (Kalender und Öffnungszeiten)
Die beste Reisezeit ist dieselbe wie für Cala Granara, allerdings mit einigen wesentlichen Unterschieden.
Mai und Juni. Angenehme Temperaturen. Das Wasser ist noch kühl (18–20 Grad), erwärmt sich in den Pools aber schnell. Wenig Leute. Das Meer ist oft ruhig. Super.
Juli und August. Sehr warmes Wasser (24–28 Grad in den Becken). Aber auch mehr Leute. Trotz der schwierigen Anfahrt kommen diejenigen, die den Ort kennen, hierher. Es empfiehlt sich, früh morgens (8:00–10:00 Uhr) oder am späten Nachmittag (16:00–18:00 Uhr) hinzugehen. In den Mittagsstunden ist am meisten los.
September und Oktober. Die absolut beste Zeit. Das Wasser ist noch warm (bis zu 24 Grad im September). Weniger Andrang. Ruhiges Meer (der September ist statistisch gesehen der windärmste Monat). Die Sonne scheint nicht zu stark. Perfekt.
Die beste Tageszeit: Die Naturpools sind nach Ost-Nordost ausgerichtet. Sie liegen von morgens bis zum späten Nachmittag in der Sonne. Die beste Lichtstimmung herrscht am Vormittag (9:00–11:00 Uhr), wenn die Sonne direkt auf das Wasser und die Felsen scheint. Am späten Nachmittag steht die Sonne hinter der Insel und die Becken liegen im Schatten. Sie sind zwar immer noch schön, aber weniger fotogen.
Tipp: Fahre nicht bei starkem Wind. Die Naturbecken sind geschützt, aber draußen schlägt der Wind hohe Wellen auf. Das Anlegen wird gefährlich. Wenn die Vorhersage mehr als 15 Knoten Wind ankündigt, verschiebe die Fahrt.
Was man für einen Tag an den Naturbädern mitnehmen sollte (Checkliste)
Die Liste ist kürzer als die von Cala Granara, weist jedoch einige Besonderheiten auf.
Wasser. Viel. Mindestens zwei Liter pro Person. Es gibt keine Trinkbrunnen.
Lunchpaket. Leicht. Keine Speisen, die Krümel oder Fettflecken hinterlassen. Einfache Sandwiches, Trockenobst, frisches Obst (ohne Kerne oder Schalen, die herumliegen bleiben).
Strandschuhe mit weicher Sohle (Neopren). Das ist wichtig. Granit ist scharfkantig. Barfuß schneidest du dich. Mit Turnschuhen zerkratzt du den Felsen. Neopren-Felsenschuhe sind die perfekte Lösung.
Tauchmaske und Flossen. Flossen dienen dazu, von einem Becken zum anderen zu schwimmen, ohne den Boden zu berühren. Aber Vorsicht: Achte mit Flossen besonders darauf, die Beckenwände nicht zu beschädigen.
Kleines Handtuch. Das, womit du dich abtrocknest. Hänge es nicht auf den Felsen, es sei denn, es handelt sich um eine flache und glatte Oberfläche.
Biologisch abbaubare Sonnencreme. Nicht diese Chemikalie. Achte auf die Angaben “reef safe” oder “biologisch abbaubar” auf dem Etikett. Es kostet zwar etwas mehr, belastet aber das Wasser nicht.
Wasserdichter Rucksack. Wenn du mit dem Kajak oder Schlauchboot ankommst, schütze dein Handy, deine Schlüssel und deine Ausweise.
Ein Müllsack. Nimm alles mit.
Was Sie auf keinen Fall mitbringen sollten: Sonnenschirme (es gibt keinen Platz, um sie aufzustellen), Stühle (aus dem gleichen Grund), Glasflaschen, Lautsprecher (die Stille ist heilig), kleine Kinder, die nicht schwimmen können (das Wasser ist tief und es gibt keine Haltemöglichkeiten).
Sind Naturbäder für jeden geeignet? (Ehrlich gesagt, nein)
Ich muss ehrlich sein. Natürliche Badestellen sind nicht jedermanns Sache. Wenn du einen bequemen Strand mit Service, Liegestühlen und Sonnenschirmen suchst, solltest du woanders hingehen.
Sie sind nicht geeignet für: Kleinkinder (das Wasser ist tief, die Felsen sind rutschig, es gibt keinen Rettungsschwimmer), Menschen mit eingeschränkter Mobilität (um hineinzukommen, muss man aus einem Schlauchboot steigen und auf glatte Felsen klettern), unerfahrene Schwimmer (es gibt keine flachen Stellen), wer Komfort sucht (keine Bar, keine Toiletten, kein Schatten), Menschen mit Angst vor dem Wasser (die Becken sind klein, aber tief).
Sie eignen sich für: Erwachsene, die gut schwimmen können, Paare, die Romantik und Privatsphäre suchen, Fotografen (das Morgenlicht ist unglaublich), Natur- und Ruheliebhaber sowie alle, die die Hauptstrände bereits kennen und nach etwas anderem suchen.
Ein Tipp: Wenn du dir deiner Fähigkeiten nicht sicher bist, geh nicht hin. Es ist niemand da, der dich rettet, falls du ausrutschst und dich verletzt. Die Naturpools sind ein Ort für Geübte und für Menschen, die körperlich fit sind. Es ist nichts Schlimmes daran, zuzugeben, dass das nichts für dich ist. Es gibt Hunderte anderer Strände im Archipel, die dir ebenso viel Freude bereiten, aber weniger Risiken bergen.
Wissenswertes über Naturbäder, das du (vielleicht) noch nicht kennst
Bevor ich mich verabschiede, hier noch ein paar interessante Fakten, die deinen Besuch (falls du jemals hinfährst) noch faszinierender machen werden.
Der Pool der Liebe. Der größte der drei Hauptpools wurde von den örtlichen Fischern als “Liebespool” bezeichnet. Warum? Weil in den 1960er Jahren, während des Kalten Krieges, die amerikanischen Soldaten, die auf dem NATO-Stützpunkt Santo Stefano stationiert waren, ihre Freundinnen (und ihre Geliebten) an den Wochenenden dorthin mitbrachten. Das Becken war ein abgeschiedener Ort, fernab von den Blicken der Vorgesetzten. Man erzählt sich, dass dort mehr als eine Beziehung entstanden oder geendet sei.
Das geheime Süßwasser. Eines der kleineren Becken, das östlichste in der Nähe der Klippe, hat am Grund eine Süßwasserquelle. Wenn man die Hand hineintaucht und bewegt, spürt man an dieser Stelle, dass das Wasser kälter ist. Zu bestimmten Jahreszeiten bleibt die Süßwasserschicht über dem Salzwasser liegen und bildet eine feine, sichtbare Trennlinie. Ein äußerst seltenes Phänomen, das nur in den Bocche di Bonifacio und an wenigen anderen Orten der Welt zu beobachten ist.
Die Seesterne. Wenn man genau hinschaut, sieht man am Boden einiger Schwimmbecken kleine Seesterne, die am Granit festsitzen. Sie sind winzig und orange oder violett. Versuche nicht, sie abzunehmen. Sie sterben sofort, wenn sie aus dem Wasser kommen.
Der verschwundene Name. Auf einigen alten Karten aus dem 19. Jahrhundert wurden diese Becken “Sa Covecca de is Piscinas” genannt, was auf Sardisch “die Höhle der Becken” bedeutet. Niemand nennt sie mehr so. Der Name ist in Vergessenheit geraten. Aber die alten Fischer erinnern sich noch daran.
Eine verpasste Filmkulisse. In den 1970er Jahren wollte ein italienischer Regisseur eine Filmszene in den Naturpools drehen. Die Szene sah vor, dass eine nackte Schauspielerin im Wasser trieb. Doch der Nationalpark (der damals noch nicht offiziell gegründet, aber bereits bewacht wurde) verweigerte die Genehmigung. Der Film wurde an einem anderen Ort gedreht. Niemand weiß, um welchen Film es sich handelte.
Fazit: Die Naturbäder – ein Juwel, das es zu schützen gilt
Die Naturbecken von Santo Stefano sind kein touristisches Ziel. Man findet sie nicht auf Postkarten. Sie tauchen nicht in den Broschüren der Reiseveranstalter auf. Es ist ein geheimer, versteckter, empfindlicher Ort, den nur wenige kennen und den nur sehr wenige besuchen. Und vielleicht ist es besser so.
Denn ihre Schönheit liegt gerade in ihrer Unzugänglichkeit. Sie liegt in der Anstrengung, die man aufbringen muss, um dorthin zu gelangen. Sie liegt in der Suche, in der Entdeckung, in der Stille, die man vorfindet, wenn man endlich dort ist, umgeben vom lauen Wasser und dem blauen Meer, das sich vor einem ausbreitet.
Wenn du dich entscheidest, sie zu suchen, tu dies mit Respekt. Nimm nur das mit, was du brauchst. Hinterlasse keine Spuren deines Besuchs. Verrate nicht jedem, wo sie sich befinden. Bewahre sie wie ein kostbares Geheimnis. Denn natürliche Badestellen sind kein Recht. Sie sind ein Privileg. Und Privilegien muss man sich durch Respekt verdienen.
Wenn du das nächste Mal mit deinem Schlauchboot oder Kajak im Archipel von La Maddalena bist, schau dir die Nordostküste von Santo Stefano genauer an. Halte Ausschau nach den dunklen Schatten auf den Felsen. Höre auf die Tipps der Fischer. Und wenn du sie findest, wenn es dir gelingt, in dieses magische Wasser einzutauchen, wirst du verstehen, warum diejenigen, die sie entdeckt haben, niemals darüber sprechen.